|
Seite 3 von 3
Gibt es keinen Nachwuchs, vereinsamt das Weibchen in einem
solchen Falle oder es sucht sich aktive Aufgaben und Beschäftigung außerhalb
des Kreises. Das kann zu großen Problemen und späterer Trennung führen.
Es gibt aber auch Fälle, wo das nichtfliegende Weibchen zur
treuen Gefährtin ihres Mannes wird, daß sie seine Leidenschaft zu teilen
beginnt und am Rand des Flugfeldes sitzend, ihre Zeit in seiner Nähe verbringt.
Sie begleitet ihn auch auf größeren Reisen zu fernen Flug- und
Versammlungsplätzen, holt ihn von fernen Äckern oder durchsteht den Nervenkampf
einer Meisterschaft, wer der am besten und schönsten fliegende Vogel sei.
Möglichkeiten und Gründe sind reichlich vorhanden, nicht auf heimischem Feld
sondern anderswo mit fremden aber gleichgesinnten Vögeln zu fliegen. Beweglich
und umtriebig, wie die Art nun mal ist, wird keine Gelegenheit ausgelassen.
Dieser, Zugvögeln vergleichbare Zwang, sich weit
fortzubewegen, gilt sowohl für den Sommer wie auch für die kalte Winterszeit.
Da erst recht. Der Trieb zum Fliegen ist bei manchen sehr stark ausgebildet,
daß sie Ozeane überwinden, um Sonne und Thermik zu erreichen. Ein weitaus
größerer Anteil bleibt allerdings zu Hause, wovon nur eine bescheiden kleine
Gruppe einer jeden Schar als Arbeitsvögel dienen.
Ich möchte auch die Tatsache nicht verschweigen, daß es sehr
aktiv fliegende weibliche Vögel gibt. In den seltensten Fällen ergeben sich
jedoch Konstellationen, wo beide Partner gleichermaßen aktiv sind. Das schließt
sich wohl gegenseitig aus nach dem Motto, einer trage die ganze Last des
anderen. Ob in solchen Ehen das Männchen die Aufzucht übernimmt, wenn das
Weibchen überhaupt die Zeit hatte zu brüten, konnte ich in meinem
Beobachtungsgebiet noch nicht feststellen.
Und dann ist da noch der recht häufige Fall, wo dem Hahn die
Flugschwingen gestutzt werden, damit er mehr Zeit mit Gemahlin und Nachwuchs
verbringen kann. Dieses muß nicht unter Zwang geschehen, es passiert auch
freiwillig.
Gefährdet das Fliegen die
Paarbeziehung? Das ist eine schwierige Frage, die ich jetzt und so nicht
eindeutig beantworten kann. Im Übermaß getan, wird es sich wohl immer negativ
auswirken müssen und das Leben des Paares oder der ganzen Vogelfamilie beeinträchtigen.
Viel kann dabei ein sehr relativer Begriff sein. Wenn jedoch das viel fliegende
Männchen sein Weibchen aufrichtig liebt und dieses ihn, ohne unterwürfig zu
sein und in der übrigen Zeit reichlich Ausgleich geschaffen wird mit den
notwendigen Streicheleinheiten und der gegenseitigen Gefiederpflege, verbunden
mit Verständnis und gegenseitigem Vertrauen, so können auch solche Verbindungen
lange anhalten. Vor Vernachlässigung des weiblichen Partners sei gewarnt, das
geht immer schief. Das ist wie vom Hoch ins Tief, geht auch schief!
Diejenige Vogelgruppe verhält
sich richtig, die Bedingungen schafft, um Familien und ihrem Nachwuchs einen
angenehmen Aufenthalt auf der Flugwiese zu ermöglichen. Die gesamte Gruppe
sollte da weniger fliegeregoistisch denken. Der gemeinsame Flug ist nur dann
schön, wenn das Nest und sein Inhalt gut versorgt und betreut werden.
Abschließen möchte ich mit der
Feststellung, daß eine glückliche und lange Paarverbindung immer Vorrang vor
Fliegen um jeden Preis haben sollte. Wer das letztere anstrebt sollte
eigentlich nicht heiraten.
Wenn es uns Menschen gelingt, aus
dem Verhalten der Großvögel und ihren Problemen die richtigen Schlüsse zu
ziehen, so ist mit Sicherheit viel gewonnen. Zu Risiken und Nebenwirkungen des
Segelflugs fragen Sie am besten Ihren Eheberater.
Ich bedanke mich bei meinen
hoffentlich interessierten Zuhörern und natürlich auch den Lesern.
* In Walsrode fanden früher immer die Segelfliegertage des
nieders. Landesverbandes statt. Dort befindet sich auch ein sehenswerter Vogelpark
<< Anfang < Vorherige 1 2 3 Nächste > Ende >> |